Präventionsgezwitscher - Podcast Grüner Vogel e.V.

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:18: Hallo und herzlich willkommen zur dritten Folge von Präventionsgizwitscher, dem Podcast von Grüner Vogel eV.

00:00:24: Schön dass ihr wieder dabei seid!

00:00:27: Ich bin Fabian Wichmann und begleite euch auch durch diese Folge.

00:00:30: In der letzten Folge ging es im Grußwort von Marcel Kumarek um die größere Einordnung, um die Frage warum die Schnittstelle zwischen psychischer Gesundheit und der Radikalisierungsarbeit fachlich so relevant ist welche Versorgungslücken es gibt und warum wir gerade an diesen Übergängen bessere Zusammenarbeit brauchen.

00:00:48: In dieser Folge wird es nun etwas konkreter.

00:00:50: Wir schauen auf die praktische Zusammenarbeit zwischen Psychologie und der Radikalisierungsarbeit, also direkt auf die Frage wie sieht das eigentlich im Alltag aus wenn unterschiedliche Professionen gemeinsam an einem Fall arbeiten?

00:01:03: Wer bringt welche Perspektive mit ein?

00:01:05: wo ergänzen sich Beratung und Therapie und wo braucht es klare Grenzen?

00:01:09: dazu hören wir einen Problemaufgiss.

00:01:15: Heiner Vogel führt durch das Gespräch, Franziska Elias bringt die psychotherapeutische Perspektive mit ein und Alma Fatih schildert die Sicht aus der Distanzierung- und Ausstiegsarbeit.

00:01:25: Anhand eines Fallbeispieles wird auch sehr greifbar wie komplex solche Prozesse sein können aber auch wie wichtig Vertrauen, Abstimmung und ein gemeinsames Verständnis von Rollen und Zuständigkeiten sind.

00:01:37: Moderiert wurde der Fachtag von Axel Schubrumm.

00:01:46: Ich darf jetzt zum Problemaufriss Psychologie und Extremismus auf der Bühne begrüßen.

00:01:52: Franziska Elias, sie ist Psychotherapeutin in Ausbildung und seit Jahr zwei Tausendvier bei NEXUS in der Fallberatung im Phänomenbereich Salamismus

00:02:00: tätig.

00:02:01: Alma Fatih berät seit zwei Tause neun Angehörige- und Aussteigerinnen und seit zweitausend einundzwanzig arbeitet sie beim grünen Vogel mit zurückgekehrten Frauen und deren Umfeld.

00:02:14: Die beiden werden in einer szenischen Darstellung ihnen etwas darbieten und das Ganze wird gerahmt und begleitet, in der Moderation von Heiner Vogel als Gründungsmitglied von NEXUS an der Charité.

00:02:25: Und dort seit dem Jahr im Jahr- und Zwanzig als wissenschaftlicher Mitarbeiter tät ich herzlich willkommen hier drei!

00:02:31: Ich freue mich auf einen Teil.

00:02:32: Herzlich Willkommen zu unserer kleinen Einführung in dieser Veranstaltung.

00:02:44: Wir übernehmen die Aufgabe ein bisschen exemplarisch aufzuzeigen wie NEXOS und Grüner Vogel in der Beratungsarbeit miteinander kooperieren, weil dort sind einige Erfahrungen entstanden.

00:02:57: Und ich möchte mit Alma und Franziska über diese Fallarbeit im Tandem sprechen und ja wie beide Seiten also beide unterschiedlichen Professionen miteinander zusammenwirken und daraus sozusagen ein Tandemen entsteht bei dem Menschen vielleicht wirksamer aus der Radikalisierung begleitet werden.

00:03:23: Wir wollen auch dabei über eine Fallbinierte sprechen, ein anonymisiertes Fallbeispiel das sich aus unterschiedlichen Erfahrungen und Fällen zusammensetzt.

00:03:32: Kommen wir zur ersten Frage Wenn wir auf die Ausgangsbedingung blicken Alma Welche Bedarfslagen gibt es in der Beratungsarbeit?

00:03:42: Lassen sich Unterschiede zwischen den Klienten bei eurer Arbeit feststellen?

00:03:47: Super, danke Heiner.

00:03:48: Ich fang gerne an!

00:03:50: Wir beraten sowohl das soziale Umfeld als auch die Indexpersonen selbst.

00:03:54: Indexperson hat ja Claudia Eingangs schon mal genannt und sind für uns Leute, die sich aus einem radikalen Milieu lösen wollen.

00:04:02: Dazu gehören für uns Aussteigerinnen aber eben auch Rückkehrerinnen aus Kriegs- und Krisengebieten Und um diese wird es heute in unserem Fallbeispiel vorrangig gehen.

00:04:12: Die Bedarfe unserer Klientinnen sind tatsächlich ganz, ganz unterschiedlich und unterscheiden sich je nach Lebenslage.

00:04:20: Das heißt, einige schaffen es gut durch akute Krisenzeiten zu kommen indem sie kurzfristig Entlastungsgespräche bekommen.

00:04:29: andere wiederum brauchen tatsächlich längerfristige therapeutische Unterstützung in Form von Psychotherapie oder gar Unterbringung im psychotherapeutischen oder psychiatrischen Settings.

00:04:41: Die Angehörigen dieser Indexpersonen sorgen sich natürlich um ihre Verwandten, ihre nahen Angehörung.

00:04:48: Und da ist es ganz, ganz breit gefächert was die für Hilfen brauchen.

00:04:52: Teilweise brauchen sie nur ein paar Informationsgespräche dazu, was es für therapeutische Angebote gibt oder wie Sie mit einer psychischen Erkrankung Ihre Angehörigen umgehen können.

00:05:03: Es kann aber auch sein dass die einfach selber so sehr belastet sind durch ihre Lebenssituation das sie selber psychotherapeutische Maßnahmen brauchen.

00:05:12: Meist äußern unsere Klienten tatsächlich den Hilfebedarf eigenständig und haben eigentlich ein ganz gutes Problemverständnis.

00:05:20: In anderen Fällen ist es aber tatsächlich so, dass das auch Auflagen von Gerichten oder Weisungen sein können, dass die Menschen Psychotherapienanspruch nehmen sollen.

00:05:30: Was in diesen Fällen eine Rolle spielt und was es dafür Herausforderungen gibt – dazu werden wir im Anschluss noch mal etwas sagen – und schauen, was da einfach für Schwierigkeiten gibt!

00:05:41: Und natürlich sind nicht alle Klientinnen gleich bei uns.

00:05:44: Wir haben ganz unterschiedliche Klienten, ich würde jetzt primär erst mal auf zwei Typen eingehen.

00:05:49: es gibt auch noch verschiedene Mischformen zu denen ich dann später nochmal kommen werde.

00:05:54: wir haben teilweise Klientin die ein sehr angepasstes Verhalten zeigen das heißt sie wollen keine Probleme machen und sie wollen auch keine Probleme haben.

00:06:02: so.

00:06:03: zudem gehören sehr viele der Rückkehrerinnen weil die einfach schon genug Probleme in ihrem Leben hatten.

00:06:10: Diese Klientinnen sind häufig ganz einfach, also in Anführungsstrichen ganz einfach an die Regelversorgung zu bekommen.

00:06:16: Weil sie oftmals auf dem für Ratschläge sind, weil sie gut mitmachen und weil sie auch bereit sind Unterstützung anzunehmen.

00:06:24: Und die haben halt oftmals eine ganz realistische Selbsteinschätzung dass sie Probleme haben.

00:06:29: Natürlich ist es trotzdem auch bei diesen Klientinnen manchmal schwierig, sie in die Regelstrukturen reinzubekommen.

00:06:35: Falls einfach lange Wartezeiten bei Therapien gibt – das ist Ihnen allen bekannt!

00:06:40: Und es ist aber auch teilweise sehr schwierig, Therapeuten zu finden.

00:06:44: Die bereits sind mit unseren Klientinnen als Täterin zu arbeiten.

00:06:48: Insbesondere Therapeutinnen beispielsweise die vier mit Geflüchteten arbeiten und eher mit Opfern arbeiten.

00:06:56: Die tun sich häufig sehr, sehr schwierig mit unseren Clienten zu arbeiten.

00:07:00: Dann gibt es noch den Typ der unangepassten KlientInnen, die ich persönlich als Beraterin ... als spannender oder herausfordernder Erlebe.

00:07:09: Das sind Menschen, die einfach stärkere Widerstände haben sich ins Hilfssystem einzugliedern.

00:07:16: Sie haben häufig nicht so ein ausgeprägtes Problemverständnis und sind aus ganz unterschiedlichen Gründen häufig wesentlich schwerer sozusagen... An Hilfsangebote an, also dass man die da irgendwie andocken kann.

00:07:32: Es ist bei diesen Klienten sehr, sehr schwierig die geeignete Therapieform zu finden.

00:07:37: es dauert häufiger länger bis sie eine gute Beziehung zu einer Therapeutin im Therapeuten aufbauen können und das kommt bei diesen klientinnen auch häufiger zu einem Wechsel der TherapeutInnen oder sogar der Therapieform.

00:07:52: Zusätzlich zu diesen genannten Klientinnen gibt es natürlich auch immer Mischformen dazwischen, die nicht ganz das eine und nicht das andere sind.

00:08:01: Aber in all diesen Fällen können wir uns sehr gut an Exos wenden und bekommen da einfach breite Hilfe je nachdem für welchen Typus wir da gerade jemandem brauchen.

00:08:10: Dankeschön Alma Franziska!

00:08:13: Welche Aspekte müssen im Vorfeld der Zusammenarbeit eigentlich zwischen euch beiden ja geklärt werden?

00:08:20: Sobald wir hinzugezogen werden, klären wir gemeinsam welche Form der Zusammenarbeit sinnvoll und hilfreich ist vor allem für die Klientinnen.

00:08:27: Wir haben ganz unterschiedliche Konstellationen entwickelt, die unterscheiden sich in Intensität und Dauer.

00:08:33: In so einem ersten Kontakt, wenn wir uns beispielsweise erst mal zu einer Thematik hören, klärten geht es vorrangig eher um die Beratung der Mitarbeitenden des Grünen Vogels.

00:08:42: Beispielsweise gibt es einen Fall, der im Fokus steht und da ist die Frage nach einer Einordnung der psychischen Symptomatik, der psychische Erkrankungen oder auch die Fragen nach dem Umgang mit den Klientinnen.

00:08:52: Oder geht das wirklich um eine direkte Anmindung oder Übernahme der Klientin?

00:08:56: zu Nexus?

00:08:58: Wir haben unsere gemeinsame Zusammenarbeit in einem Kooperationsvereinbarungsvertrag wie schriftlich festgehalten.

00:09:05: Dort haben sich in der Praxis vor allem drei verschiedene Konstellationen etabliert, die ich kurz vorstellen würde, wie wir gut zusammenarbeiten können.

00:09:13: Das ist auf der einen Seite einmal die anonyme Fallberatung um komplexe und unklare Situation gemeinsam interdisziplinär zu beleuchten.

00:09:20: Da würden dann von beiden Trägern die Mitarbeitenden teilnehmen und eigene Fälle einbringen mit der Idee dass beratende Personen dort konkrete Handlungsoptionen und Unterstützung bekommt.

00:09:32: Demgegenüber steht nochmal eine fallbezogene Beratung, da geht es um konkrete Fälle die schon bei beiden Trägern angesiedelt sind und wo es um noch mal eine konkretere Abstimmung zum weiteren Vorgehen gibt.

00:09:43: Anders als bei der anonymen Fallberatung wie der Name schon sagt können hier personenbezogene Daten eingebracht und offen besprochen werden.

00:09:50: Und dann gibt es die dritte Variante, die auch häufig vor allem bei Alma und mir in den letzten ein zwei Jahren genau in Erscheinung getreten ist.

00:09:57: Das ist wirklich der direkte Fachkräfte-Austausch wo wir methodische strukturelle Fragen reflektieren.

00:10:04: Das ist sehr bedarfsorientiert und flexibel, kurzfristig wird da auch auf akute Themen- und Fragestellene

00:10:10: eingegangen.".

00:10:11: Wie ich eingangs gesagt habe, ist es häufig so dass die Mitarbeitenden das ihr uns kontaktiert mit einem Anliegen – das ist aber nicht immer der Fall, es gibt beispielsweise auch einen Fall den ich gerade hab eine Klientin, die schon länger bei mir in einer Beratung war und ganz unabhängig von mir sich auch nochmal an Grünvogel gewandt hat und jetzt ein gemeinsamer Fall ist!

00:10:29: Die Mitarbeitenden, wir sitzen alle in unterschiedlichen Standorten.

00:10:32: Wir vom Grünvogel hier in Berlin und im Nordrhein-Westfalen.

00:10:35: Wir von Nexus in Berlin & Sachsen da bin auch ich oder auch wir tätig so dass wir die Absprachen flexibel gestalten einmal in Präsenz hier in Berlin oder online bundesweit.

00:10:47: Es hat sich so eine feste Struktur etabliert, dass wir diese anonyme und die personenbezogene Fallbesprechung einmal im Monat in den Räumlichkeiten vom grünen Vogel und online besprechen.

00:10:57: Und dieser Fachkräfte-Austausch ist eher bilateral digital und wie gesagt sehr auf kurzem Weg und sehr klientinnenzentriert.

00:11:06: Okay!

00:11:07: Kannst du Alma eure Beratungssituation mal an einem konkreten Fallbeispiel illustrieren zwischen euch beiden?

00:11:15: Ja, total gerne.

00:11:16: Danke für die Frage!

00:11:17: Wir haben für Sie heute ein fiktives Fallbeispiel konstruiert und der geschilderte Fall beruht auf einem realen Fall den wir aber um weitere Aspekte ergänzt haben, die für die heutige Darstellung der Herausforderungen irgendwie wichtig erschienen.

00:11:34: daher steht dieser Fall auch exemplarisch für viele weitere Fälle, die wir bei uns in Beratung haben.

00:11:40: Ich komme jetzt zum Fallbeispiel.

00:11:42: Da geht es um eine Klientin, die sich in jungen Jahren nicht minderjährig radikalisiert hat und im Kriegs- und Krisengebiet ausgereist ist.

00:11:52: Und sich dort einer terroristischen Gruppierung angeschlossen hat.

00:11:56: Anders als andere Klienten, die wir auch begleiten, hat sie dort erst geheiratet und dort erst Kinder bekommen.

00:12:03: Das heißt, sie hat ihre Kinder nicht aus Deutschland mitgenommen... ...und die Klientinnen aus dem Fallbarspiel war zunächst nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in Haft und ist dann später auf Bewährungen freigekommen, hat aber dabei verschiedene Auflagen vom Gericht bekommen.

00:12:22: Insbesondere in der Haft- und im Vorfeld zu ihrem Gerichtsverfahren hat sich ihr psychischer Zustand deutlich verschlechtert Und sie hatte eine ganz tiefe Krise, was nicht untypisch ist für unsere Klientinnen gerade in dieser Phase wo Sie sich in so einem Schwäbezustand befinden.

00:12:39: Wo Sie noch nicht wissen wie wird das Urteil ausfallen?

00:12:42: Wo Sie sich möglicherweise noch einuhaft befinden und dass es ganz typisch.

00:12:48: Und sie hat in dieser Zeit die ersten psychischen Probleme.

00:12:52: Das hat sie sowohl selber festgestellt, das wurde aber auch von ihrem Umfeld ganz doll wahrgenommen also beispielsweise von der JVA und vom Gericht und es wurde beispielsweise auch geprüft ob sie überhaupt verhandlungsfähig ist.

00:13:08: Sie wurde dann im Anschluss zu einer Strafeverurteilt die auch zur Bewährung ausgesetzt wurde Auflagen bekommen.

00:13:19: Sie hat als Bewährungsauflage Weisungen bekommen, dass sie neben den Deradikalisierungsgesprächen mit uns auch eine Psychotherapie machen muss.

00:13:29: Tatsächlich wurde vom Gericht aber offen gelassen was für ne Art der Therapie sie machen soll in welchem Turnus das stattfinden soll und ob sie untergebracht werden muss im psychotherapeutisch-psychiatrischen Setting Und das ist ganz, ganz häufig so bei unseren Fällen.

00:13:48: Dass das Gericht gar nicht so klar definiert.

00:13:51: Diese Auflagen und Weisungen der Gerichte sind empfohlen aber sie können auch in Anführungsstrichen teils als verpflichtend wahrgenommen werden oder sind auch so verstanden.

00:14:05: die Klienten können aber nicht physisch dazu gezwungen werden.

00:14:09: Es hat aber negative Auswirkungen für den jeweiligen Fall, wenn es beispielsweise um die Bewertung des Falles vor Gericht geht oder aber durch die Bewährungshilfe.

00:14:21: Das kann dann der Fall sein, wenn's beispielsweise neue Straftaten gibt und das erneute Anhörung vor Gerichts gibt und die Weisungen nicht umgesetzt wurden oder aber wenn die Bewährungshilfe es als nachteilig empfindet, dass diese Empfehlungen des Gerichts längere Zeit nicht umgesetzt wurden.

00:14:40: Und in diesen Fällen müssen wir schnell mit den Klienten dafür sorgen, dass sie sozusagen schnell den Auflagen entsprechen können.

00:14:49: Es ist aber in der Realität häufig gar nicht so schnell möglich ein Therapieplatz zu finden oder einen Platz in einer Tagesambulanz oder im psychiatrischen anderen Settings Hinzu kommt, dass es für die Klientinnen total schwierig ist wenn sie aus dem Haftkontext kommen.

00:15:06: Weil so was wie Gesundheitsvorsorge, Krankenversicherung und so oftmals gar nicht abgeklärt ist.

00:15:12: das heißt wenn Klienten entlassen werden und nicht die Möglichkeit haben beispielsweise in eine Familienversicherung aufgenommen zu werden von Angehörigen, da müssen die erst mal Bürgergeld beantragen.

00:15:23: Eine Krankenkasse finden um dann überhaupt eine Finanzierung für ihre therapeutischen Maßnahmen zu haben.

00:15:31: Finanzierung und das hat Frau Dunschke ja eingangs auch schon erwähnt, ist ein ganz großes Thema.

00:15:37: Und das ist tatsächlich nicht nur bei den Klientinnen so die aus einem Haftkontext kommen sondern auch bei Klienten die nicht inhaftiert sind.

00:15:46: Das heißt in den Fällen wo es keine gesetzlichen Betreuer gibt Und wo es keine Eingliederungshilfe gibt, ist das häufig sehr erschwert.

00:15:56: Hinzu kommt – das kennen Sie vielleicht aus der Praxis auch ein Antrag auf Eingliederungshhilfe um dann psychotherapeutische Unterbringungen oder Maßnahmen zu finanzieren einfach viele Monate dauern kann.

00:16:09: man findet nicht so schnell Therapieplätze und so weiter.

00:16:13: Hier kommt tatsächlich Nexus ins Spiel Da wir dann versuchen, gemeinsam mit Nexus diese Versorgungslücke ins Regelsystem irgendwie zu überbrücken so dass den Klienten trotzdem Hilfe zukommen kann.

00:16:28: Du hast also das Fallbeispiel geschildert Franziska wie wurde Nexus jetzt konkret vom grünen Vogel im fiktiven Fall dich hier hinzugezogen?

00:16:40: Ich wurde von ALMA telefonisch kontaktiert und habe eine erste Falschehederung erhalten.

00:16:44: Gemeinsam haben wir dann entschieden, die Klientin bei Nexus aufzunehmen und meinen Auftrag oder meine Aufgabe waren den ersten psychotherapeutischen Kontakt herzustellen Und die Frage auch zu klären gibt es eine Krankheitseinsicht und gibt's eine Therapiemotivation?

00:16:59: Für die Klianten oder allgemein für die Fälle gesprochen ist das immer die Frage.

00:17:03: wenn beides nicht oder nur eingeschränkt vorhanden ist Arbeit, mein Job sozusagen in den Sitzung das behutsam aufzubauen.

00:17:11: Und dann unterscheiden wir auch nochmal zwischen Therapiemotivation und Veränderungsmotivationen.

00:17:15: Es gibt häufig innere oder äußere Hürden die... Den reflektieren erstmals vielleicht irgendwie erschweren und dann auch eine Veränderung erschwerern.

00:17:23: Also da war auch genau mein Auftrag, die Motivation für Veränderungen herzustellen.

00:17:29: Konkret mit der Klientin ist es immer so dass ich einen ersten Telefontermin vereinbare.

00:17:34: Da stelle ich mich kurz als Person vor in die Institution und dann vereinbaren wir eine erste Sitzung im Präsenz oder Video.

00:17:43: Gibt es spezifische Aspekte, die ihr Vorbeginn einer Beratung klären müsst?

00:17:48: Wie beispielsweise berufsrechtliche oder berufsetische Fragen.

00:17:52: Stichwort Schweigepflicht, kannst du dazu auch noch was zu sagen?

00:17:56: Ja Genau gerne.

00:17:57: Schweigepflicht ist ein ganz zentraler Bestandteil in der Beratung, in der Therapie und eine wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Therapie.

00:18:04: Man muss dazu sagen dass ihr als Mitarbeitende des Grünen Vogels ja ebenso Schweigeflicht habt und die Datenschutzvorgaben beachtet.

00:18:11: Die gesetzliche Schweigefflicht von Psychotherapeutinnen oder auch Psychotherapeuten in Ausbildung ist aber deutlich strenger nochmal geregelt und an klare berufsrechtlichen Vorgaben gebunden.

00:18:21: Ich denke, vielen vielleicht auch bekannt.

00:18:24: Therapeutische Setting ist Vertraulichkeit ja absolut entscheidend.

00:18:27: also es kann nur ein tragfähiges Vertrauensverhältnis hergestellt werden wenn die Klientinnen wirklich sicher sein können dass die Dinge die wir besprechen die ja höchst persönlich sind teilweise auch hochgradig intim geschützt und nicht weitergegeben werden.

00:18:41: Gleichwohl muss man dazu sagen, ist es für uns als zuständige Fallberaterin auch immer sehr wichtig, uns so einem gemeinsamen Fall austauschen zu können und eine gemeinsame Sprache zu finden.

00:18:53: Also mit der Idee dass wir Senergieeffekte nutzen können, Doppelstrukturen vermeiden und unsere Unterstützung auch gut aufeinander abstimmen.

00:19:00: Beispielsweise macht das Sinn schon zu klären wer ist an welchen Themen dran und gibt's potenziell inhaltliche Überschneidungen.

00:19:07: Und damit wir Fälle unter Einbeziehung dieser personenbezogenen Daten besprechen können, haben wir eine Schweigeflichtsentbindung entwickelt.

00:19:13: Die ist wechselseitig und dreigliedrig.

00:19:16: Die Klienten werden über Inhaltsweck- und Reichweite aufgeklärt und entscheiden selbstständig, welche Variante der Schweigepflichtentbindungen sie zustimmen möchten?

00:19:24: Ich würde die drei Varianten ganz grob skizzieren.

00:19:27: Die Absprache auch dazu ist immer sehr relevant und auch sensibel mit den Klientinnen zu schauen.

00:19:34: wie viel Information soll denn weitergegeben werden oder nicht?

00:19:37: Variante eins, da geht es um grundlegende Informationsaustausch.

00:19:40: Da haben wir Klientinnen – da dürfen wir uns beispielsweise nur zu geplanten Terminen austauschen – zu deren Frequenz Dauer aber in keiner Weise inhaltliche Themen oder persönlichen Details besprechen.

00:19:51: Eine Variante zwei ist eine Art von erweitertem Austausch und da können die KlientInnen eintragen.

00:19:59: Wir können uns beide oder andere Kolleginnen sich beispielsweise zum Thema Arbeitssituation, Wohnsituationen oder auch Therapieplatz-Suche austauschen.

00:20:07: Der Austausch ist aber ganz klar auf diese Aspekte begrenzt.

00:20:10: Wir haben natürlich beide noch ganz vier andere Informationen und könnten uns sozusagen inhaltlich austauschnen dürfen es aber nicht genau.

00:20:18: Und die dritte Variante ist dann eine vollumfängliche Schweigepflichtsentbindung.

00:20:22: Die Klientinnen können jederzeit die Schweigeflichtentbindung zurückziehen oder abändern

00:20:29: Abstarhierend aus eurem geschilderten Fall bei Spielen.

00:20:33: Wer ist jetzt für welche Themen zuständig konkret?

00:20:36: Wie sieht ein laufender Beratungsprozess von Grüner Vogel und Nexus im Verbund aus, Alma?

00:20:43: Wir arbeiten mit den Klienten tatsächlich im System das heißt die Angehörigen der Klientinnen werden häufig bei uns mitberaten Im besten fall von einer anderen Beraterin einem anderen Beratter weil die Bedarfe und die Fragestellungen einfach sehr unterschiedlich sind Und die Klientinnen ja teilweise auch irgendwie manchmal Schwierigkeiten mit ihren Angehörigen haben und wir da einfach wollen, dass diese Beratungssettings getrennt voneinander stattfinden.

00:21:10: Zudem haben wir natürlich Kontakt wenn wir im System arbeiten mit verschiedenen anderen Akteuren wie der Bewährungshilfe wie den Anwälten der Klienten dem Jugendamt Bürgerämtern Sozialämtern aber teils auch mit Sozialarbeiterinnen begleiten, also beispielsweise Einrichtungen wie Frauenhäuser oder Mutter-Kind-Einrichtungen.

00:21:36: Und wir haben zusätzlich zum Interesse der Klienten auch immer Sicherheitsinteresse im Blick und arbeiten im Sinne einer Gefahrenabwehr.

00:21:45: daher unterscheidet sich unsere Arbeit im System ganz, ganz wesentlich von der therapeutischen Arbeit die ja sehr stark auch fokussiert ist auf die Arbeit mit den Klientinnen und deren Bedarfen.

00:21:59: Wir sind somit auch für die Weitergabe von Informationen ins System, was das Fallgeschehen betrifft.

00:22:06: Nicht nur in Richtung Nexus zuständig.

00:22:09: wir müssen relevante Ereignisse, die sich auf die psychische Stabilität der Klienten auswirken ebenfalls auch an andere Personen kommunizieren wenn wir das für nötig halten.

00:22:19: da komme ich später nochmal zu.

00:22:22: Dies beinhaltet beispielsweise auch den Stand der therapeutischen Unterstützung, die dann an die relevanten Akteure auch kommuniziert werden muss.

00:22:32: Dabei werden aber eben keine therapeutischen Inhalte kommuniziert – also was für Themen hat die Klientin oder wie macht sie sich gerade?

00:22:40: Sondern eher ein Sachstand, wie beispielsweise die Kliente in einem regelmäßig Termine war bei Nexus.

00:22:47: Wie geht ihr mit Selbst- und Fremdgefährdung im Rahmen eurer Arbeit um?

00:23:16: Wir gestalten das bewusst niedrigschwellig und quasi passend für die Klientinnen.

00:23:22: Also beispielsweise haben wir eine flexible Sitzungsfrequenz oder Dauer-Therapie in Wohnortnähe, wir können lange Wartezeiten umgehen – es muss bei uns keinen Konzierebericht eingeholt werden andere Hürden mit der Krankenkasse entfallen was häufig dazu führt dass es organisatorisch und auch motivational für die Klientinnen einfacher ist wirklich sozusagen ne erste Therapiererfahrung zu machen.

00:23:44: Das Setting ist recht wenig klinisch geprägt, die Sitzungen wirken vielleicht so etwas informell oder ein bisschen unauffällig.

00:23:52: Die sonst typischen klinischen Strukturen sind natürlich im Hintergrund vorhanden und sind aber nicht unbedingt immer so unmittelbar spürbar.

00:23:59: Weshalb auch manchmal der Vergleich gezogen wird wie eine stationsäquivalente Behandlung – aber wir treffen uns nicht im häuslichen Umfeld der Klientinnen!

00:24:09: Idee ist, dass Klienten sich öffnen können.

00:24:11: Wirklich eine erste Erfahrung niedrigschwellig mit Therapie zu machen geprägt von einer allgemeinen typischen psychotherapeutischen Haltung.

00:24:19: Wertfreiheit, Offenheit sind wichtige Pfeiler darin um Raum zu schaffen die Klientinnen wirklich in den Mittelpunkt zu stellen was auch nochmal die Unterscheidung ist zu dem was du auch meintest einmal wie ihr auch im System erarbeitet.

00:24:31: In dem Beratungsprozess selbst gibt es dann die Möglichkeit, über Themenprägung, Musterbeziehungen nachzudenken und bezogen auf die Lebensspanne schauen wir was gibt's für Bedürfnisse?

00:24:42: Für Sehnsüchte?

00:24:42: Für Ängste?

00:24:43: Auf die Vergangenheit bezogen aber auch auf die Zukunft oder aktuell.

00:24:47: Und wir schauen natürlich immer auch wie sich Biografie und Radikalisierung miteinander verknüpft haben und welche Momente besonders entscheidend waren für die Hinwendung zur Ideologie.

00:24:57: Ich denke, dieser Part ist eigentlich der größte im Rahmen unserer Beratungen.

00:25:01: Diese Reflexionsebene wird aber auch noch ergänzt um ganz... Praktische und ressourcenorientierte Dinge.

00:25:07: Also wir können auf der einen Seite in den Gesprächen zwar über die großen Themen sprechen, tun wir ganz viel.

00:25:13: Die großen und belastenden Lebensthemen aber wir gucken auch ganz praktisch und alltagsnah auch was kann in dem Moment helfen also in Form von einer kleineren Psychoidikation zum Beispiel zur psychischen Erkrankung erlebe ich häufig als sehr entlastend und positiv wenn Klientinnen auch wirklich einfach etwas wissen vermittelt bekommen.

00:25:31: Wir überlegen gemeinsam wie man mit belasteten Situationen Symptome umgehen kann und wie auch selbst für Sorge umgesetzt werden kann.

00:25:38: Langfristig ist bei uns bei Nexus ja auch, dass hier die Klientinnen in die Regelstruktur weiter zu verleiten.

00:25:44: daher gebe ich auch Infos welche Therapieverfahren gibt es?

00:25:47: Wie läuft so eine ambulante Psychotherapie ab?

00:25:50: Wie komme ich an einen Therapieplatz

00:25:51: etc.?

00:25:53: Einmal, du hast das Eingangs auch gesagt.

00:25:54: Die Hintergründe der Klientinnen sind sehr unterschiedlich weshalb in den Beratungen viel auch Kontext und Kultursensibilität eine Rolle spielt wie über achten Genderaspekte.

00:26:04: aber auch mir hilft es schon auch wirklich handfestes Wissen zu haben über auch so Lebensrealitäten der Klientes.

00:26:10: wir versuchen Sprache und Inhalt möglich so zu wehren dass sie nah an den Lebens realitäten der klienten sind.

00:26:17: Genau, also zusammengefasst sind in den Beratung drei Aspekte vor allem relevant.

00:26:21: Diese biografische Aufarbeitung und dann aber auch diese ressourcenorientierten Und die Berücksichtigung von der Kultur- und Kontextensibilität, alle drei Aspekte wären natürlich auch beim grünen Vogel in den Beratungen adressiert.

00:26:34: Aber noch mal mit einer anderen Schwerpunktsetzung.

00:26:36: also wie du auch immer sagst ne?

00:26:38: Die biografischen Themen eher unter dem Hintergrund der Ausreise betrachtet und der Radikalisierungsgeschichte das würden wir uns in den Sitzungen nochmal im größeren Ganzen anschauen.

00:26:47: genau und durch die strengere Schweigepflicht bei mir und auch nochmal durch meinen spezifischen beruflichen Hintergrund Gibt es da auch einfach noch mal eine andere Perspektive.

00:26:58: rauf und auch so etwaige destabilisierende Momente können auch nochmal anders im Beratung und Therapie aufgefangen werden?

00:27:05: Ja, jetzt kommt eine Frage.

00:27:06: Wie geht ihr mit Selbst- und Fremdgefährdungen im Rahmen eurer Arbeit

00:27:10: um?

00:27:11: Genau kurz!

00:27:12: Von meiner Seite Aspekte der Selbstgefährdung spielen natürlich eine wichtige Rolle.

00:27:15: Wir müssen klären, sind die Klientinnen absprachfähig?

00:27:18: Können sie sich von selbstschädigen Gefährden im Verhalten abgrenzen zum Beispiel suizidalen Imposen nicht folgen?

00:27:24: wir entwickeln gemeinsame Strategien.

00:27:26: wie kann konstruktiver Umgang sein mit Hochanspannungssituationen?

00:27:30: genau?

00:27:31: es gibt ganz viele auch akute Themen ja emotional die krisenhaften Rolle spielen.

00:27:36: Sollte es aber Bedrohungslagen geben, die im Rahmen meiner Sitzung nicht sicher gehandhabt werden können würde ich weiter verweisen.

00:27:43: Also auch auf Ansprechpartner vor Ort, Psychiaterinnen, SPDI, Notfallambulanzen etc.

00:27:50: Alma wie geht ihr damit um?

00:27:52: Genau, ich habe ja eingangs schon erwähnt dass wir natürlich neben der Arbeit mit den Klienten auch immer den Sicherheitsaspekt den größeren im Blick haben.

00:28:01: Dies betrifft sowohl Aspekte die zur Stabilisierung als auch zur psychischen Destabilisierung beitragen können.

00:28:08: das heißt wir versuchen die Klientinnen erstmal dahingehend zu unterstützen dass sie sich stabilisieren und es betriffe ganz viel pragmatische Fragen wie Lebensorganisation Frage nach Einkommen soziale Integration eben alles, was zur psychischen Stabilität beitragen kann.

00:28:27: Dabei verfolgen wir immer einen systemischen Ansatz und versuchen das System im Ganzen zu erfassen und zu schauen wie können Ressourcen auch gut genutzt werden?

00:28:36: Auf der anderen Seite haben wir das Sicherheitsinteresse im Kopf und versuchen auch immer mit diesem Fokus auf die Klientinnen zu schauen.

00:28:42: Das heißt immer ausgehend von der Frage stellt diese Person eine Gefahr für sich oder für andere da?

00:28:48: Hierbei haben wir natürlich nicht so umfassende Instrumente wie beispielsweise die Sicherheitsbehörden.

00:28:53: Wir wissen nicht immer, ob eine Person zum Beispiel noch Kontakte in die Szene hat oder Propaganda konsumiert.

00:29:00: Wir haben da schon ein Gefühl zu aber wir wissen es natürlich nicht immer.

00:29:04: Dennoch versuchen wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen tatsächlich auch eine Einschätzung zu treffen.

00:29:11: Um es weniger abstrakt zu formulieren, spielt eine Rolle in was für einer Situation sich eine Person befindet.

00:29:19: Also Fragen, wie hat sie ein gutes soziales Netzwerk?

00:29:22: Hat sie persönliche Herausforderungen und Krisen mit denen sie konfrontiert ist die gegebenenfalls eben zu einem Rückfall in die Ideologie oder neue Kontakte oder alte Kontakte in die Szene begünstigen können.

00:29:36: Diese genannten ideologischen Rückfälle spielen sich meist auf der emotionalen Ebene ab und werden tatsächlich auch durch persönliche Krisen ausgelöst eng verknüpft mit der sozialen Situation einer Person.

00:29:51: Im Sinne einer Gefahrenabwehr sind wir also dazu verpflichtet, unsere Sorgen und Bedenken eben auch an andere zuständige Stellen wie Sicherheitsbehörden zu kommunizieren – natürlich immer im Rahmen unserer Vorgaben des Datenschutzes unter

00:30:05: Schweigepflicht.".

00:30:07: Daher müssen wir aber tatsächlich in einigen Fällen abwägen, was in einem Fall schwerer wiegt und wie wir die Situation einschätzen.

00:30:15: Immer dieser Frage folgen geht von dieser Person eine Gefahr aus?

00:30:20: Und in diesen Fällen müssen wir auch auf die Gefahren des Vertrauen der Klientinnen zu verlieren mit Sicherheitsbehörden und anderen Stellen Wie beispielsweise Nexus dem Jugendamt der Bewährungshilfe Und anderen Akteuren in Austausch gehen und relevante Informationen weitergeben, um eine drohende Gefahr auszuschließen.

00:30:41: Dies betrifft verschiedenste Themen kann aber ganz grob unter der Überschrift Persönlich Krisen zusammengefasst werden.

00:30:48: Ich versuche das mal an dieser Stelle ein bisschen weniger abstrakt darzustellen.

00:30:53: Wenn beispielsweise eine Klientin oder einen Klient aufgrund einer persönlichen Krise Äußerungen tätigt die er auf eine Drohne selbst- oder Fremdgefährdung oder aber auch in ferner Zukunft schließen lässt, müssen wir handeln.

00:31:07: Das ist ein sehr, sehr schmaler Grad und wird in Fall zu Fall unterschiedlich individuell entschieden da eine solche Handlung natürlich immer dazu führen kann dass unsere Beratungsbeziehung zerbricht oder beschädigt wird.

00:31:20: Die Beschädigung des Beratungverhältnisses ist aber auch immer davon abhängig wie wir das im Vorfeld oder im Nachgang mit den Klienten kommunizieren Und auch da gehen wir ganz individuell vor.

00:31:32: Das heißt, wir entscheiden von Fall zu Fall wie transparent wir unsere Maßnahmen dann auch gegenüber den Klienten kommunizieren oder es eben nicht tun.

00:31:43: Danke!

00:31:45: Welche weiteren Aspekte Franziska die Klientinnen betreffen können die Beratungen erschwerend beeinflussen?

00:31:52: Also wie gehst du Franziska mit solchen Schwierigkeiten um?

00:31:55: Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich die Weitervermittlung der Klientinnen in eine Psychotherapie vor Ort.

00:32:03: Und die Herausforderung liegen auf verschiedenen Seiten, auf der einen Seite, auf Seiten der Patientinnen wie eingangs schon gesagt.

00:32:11: da ist immer noch so die Frage nach einer erst zu entwickelnden Therapie oder Veränderungsmotivation.

00:32:15: aber auch auf Seiten des Klientens geht es viel um die Angst für Stigmatisierung.

00:32:20: Einmal du hast das eingangs schon gesagt, nicht alle Klientinnen passen sozusagen problemlos in klinische Settings.

00:32:26: Sei es stationär oder ambulant.

00:32:28: und einige KlientInnen auch viele meiner Klientin eigentlich haben auch verschiedene Erfahrungen mit hintergelassenem Psychotherapeuten gemacht die häufig zum Anfang von eigentlich viel Mut und auch Hoffnung und positive Erwartung geprägt waren im Laufe der ersten Sitzungen, im Laufer der Probatorik häufig sich aber schon als irgendwie frustrierend langwierig herausgestellt haben.

00:32:52: Da gab es keine Passung zwischen Psychotherapeuten und der Klientin, aber es gab definitiv auch Diskriminierungserfahrungen.

00:32:58: Und die gilt es auch in meinen Beratungen zu adressieren.

00:33:01: das ist gar kein kleiner Teil.

00:33:02: deswegen will ich den auch noch mal explizit betonen.

00:33:05: wir sprechen viel darüber sozusagen wie kann man da sich immer noch offen halten für eine Psychotherapie obwohl schon teilweise mehrfach negative Erfahrungen gemacht wurden?

00:33:14: Auf der anderen Seite, auf Seite der Psychotherapeutinnen gibt es aber auch vorbehaltete Stereotype Unsicherheiten im Umgang mit den Klienten.

00:33:22: Was ich auch wenn man vielleicht gar keine Berührungspunkte dazu hat auch nachvollziehbar finde oder verständlich.

00:33:28: Da spielt sicherlich auch rein eine mediale Berichterstattung die teilweise von anti-muslimischen Ressentiments oder sogar Rassismus geprägt ist.

00:33:36: Eine mediale berichterstattern die radikalisierte und aus dem IS zurückgekehrte Personen sehr despektierlig darstellt.

00:33:44: Und Psychotherapeuten sind natürlich am Ende des Tages auch nur Menschen, die von gesellschaftlichen Diskursen und Dynamiken beeinflusst werden.

00:33:51: Da spielen Aspekte von Sicherheit, Machbarkeit, Umsetzbarkeit im Rahmen der ambulanten Therapie eine Rolle, die kritisch abgewogen wird.

00:33:58: Gerade in aktuellen Zeiten wo es eine hohe Therapieplatz-Nachfrage gibt und lange Wartezeiten sind diese Klientinnen leider nicht denjenigen, vorrangig, primär schnell zeitnahe Psychotherapieplätze erhalten.

00:34:12: Wir versuchen dem entgegenzuwirken indem wir das Netzwerk von Nexus sozusagen aktivieren.

00:34:18: Das läuft dann so ab in der Regel dass sich Kerstin Sischke Anrufe und Frage gibt es in Stadt XY niedergelassenen Therapeuten die mit uns zusammenarbeiten Und könnten wir dann therapeutischen Erstkontakt herstellen Durch auch mit untermöglich.

00:34:34: Nichtsdestotrotz haben wir leider festgestellt, dass diese Weitervermittlung in das Regesystem eingeschränkter möglich ist als gedacht.

00:34:41: Das heißt im Umkehrschluss die Klientinnen bleiben länger an den Beratungen bei uns bei NEXOS.

00:34:46: Wenn wir jetzt auf eure jahrelange Zusammenarbeit gemeinsam blicken welches Fazit könnt ihr beide vorerst ziehen?

00:34:54: Magst du zuerst antworten Alba

00:34:57: Ja, total gerne.

00:34:58: Also ich muss an dieser Stelle einmal Nexus danken.

00:35:00: Ich bin unglaublich froh dass es euch gibt!

00:35:02: Ich mag euch alle furchtbar gerne das wisst ihr aber glaube auch und wir sind einfach total froh über diese Zusammenarbeit.

00:35:10: dennoch Gibt es natürlich trotzdem, was diese Vermittlung ins Regelsystem betrifft immer noch viel Luft nach oben.

00:35:17: Da NEXOS nicht bundesweit alle Bedarfe decken kann und auch tatsächlich nicht in der Intensität oder der nachhaltigen Absicherung der Therapie, die es für einige Klientinnen bräuchte, nicht alles abdecken kann?

00:35:31: Das betrifft insbesondere eben die Suche nach niedergelassenen Therapeutinnen, die Fürmittlungen in Ambulanzen und was ganz wichtig ist eben die Finanzierung und die nachhaltige Absicherung therapeutisch psychotherapeutischer Maßnahmen.

00:35:46: Daher ist für uns die Arbeit von Bios total spannend und ich bin total gespannt heute nochmal mehr darüber zu hören und auch nochmal mehr Ideen zu entwickeln, wie man da vielleicht gut vom Modell lernen kann.

00:35:58: Was ich aber an dieser Stelle sagen möchte ist das Ich finde dass wir mit Nexus auch ein ganz gutes Modell bisher gefunden haben für die gemeinsame Bearbeitung unserer Fälle welches durchaus noch zukünftig ausgebaut werden kann und wo wir einfach total gerne weiter daran arbeiten können zusammen.

00:36:14: Franziska was meinst du?

00:36:17: Genau!

00:36:18: Zwei Jahre jetzt bei Nexus tätig und auch durchweg im engen Kontakt mit euch.

00:36:22: Und vor allem mit dir.

00:36:23: einmal bezüglich der Klientinnenarbeit, ich schätze auch die Interdisziplinarität.

00:36:28: Meine Erfahrung nach ist unsere Arbeit sehr praxisnahe, sehr flexibel wenig nach Schema F es sind teilweise wohl eine rabel- und schwer erreichbare KlientInnen.

00:36:38: auf jeden Fall und das erfordert immer wieder dynamische kreative Lösungsansätze.

00:36:44: Die entwickeln wir weiter.

00:36:47: Das ist ein spannender Prozess und gleichwohl auch trotzdem zu bezonen, auch einen herausfordernder Prozess in jedem Fall.

00:36:54: Genau jetzt mehrfach schon erwähnt ist einfach so ein bisschen diese Kluft.

00:36:57: noch mehr würden wir uns mehr wünschen eine Vernetzung ins Regelsystem zusammenarbeiten mit offenen und interessierten Psychotherapeutinnen.

00:37:05: also sollten heute unter ihnen auch welche hier sein können sie sich gerne an uns auch wenden.

00:37:10: langfristig können wir da auch beispielsweise beratend zur Unterstützung auch bei Seite stehen, also zum Beispiel kollegiale Fallberatung anbieten die wir von euch und uns sozusagen auch gemeinsam begleiten würden wollen.

00:37:24: Vielen Dank euch beiden!

00:37:25: Wenn wir vielleicht ein ganz kurzes Fazit ziehen würden.

00:37:29: Ein paar Erkenntnisse haben wir ja gesammelt.

00:37:31: Zum einen das Kommunikation Und eben eine Vertrauensebene zum Beispiel zwischen euch beiden Aber auch zwischen den Trägern, grüner Vogel und Nexus von elementarer Bedeutung ist.

00:37:43: Auch vor allem im sicherheitsrelevanten Bereich wenn wir mit komplex belastenden Menschen zusammenarbeiten Wenn wir über Gefahren sprechen.

00:37:53: Zum anderen vielleicht auch die Bereitschaft auch eigene Grenzen bei der Arbeit zu erkennen.

00:37:59: Das heißt wenn man merkt okay man kommt hier nicht weiter dann auch zu reagieren Und multiprofessionell auch zu denken.

00:38:06: in Tandem Das heißt auch gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Fachdisziplin.

00:38:11: Man ist auf Augenhöhe und dadurch resultiert auch die Achtung gegenseite berufsrechtlicher und berufsetischer Grenzen, aber man muss natürlich auch sagen wie einmal das ja auch schon angesprochen hat bedarf es auch einiger Bemühungen eben weiterhin nicht nur innerhalb der Prävention die Vernetzung voranzutreiben, sondern wie hier mit BIOS eingeladen wurden eben auch mit anderen Akteuren Netzwerke zu knüpfen und im Fall der Fälle eben auch in der Fallarbeit zusammen zu kooperieren.

00:38:47: Und jetzt würde ich zum Abschluss kommen und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

00:39:09: Das war Folge drei unserer zweiten Staffel von Präventionsgezwitscher.

00:39:13: Diese Folge hat sehr anschaulich gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen psychotherapeutischer Unterstützung und die Radikalisierungsarbeit nicht einfach nur sinnvoll ist.

00:39:21: Sondern in vielen Fällen eigentlich auch entscheidend!

00:39:24: Gerade dann wenn Menschen aus radikalen Kontexten herausfinden wollen gleichzeitig psychisch belastet sind und sich in sehr instabilien Lebenslagen befinden reicht ein einzelner fachlicher Blick oft nicht aus.

00:39:35: besonders spannend war wie konkret hier beschrieben wurde was zusammenarbeiten der praxis eigentlich bedeutet.

00:39:40: Nicht abstrakt, nicht an schönen Ideen auf dem Papier sondern in echter Abstimmung mit klaren Rollen.

00:39:45: Mit Schrei-Geflicht und Sicherheitsfragen und all den Hürden die im Hilfesystem ganz real auftreten.

00:39:51: Die wichtigsten Punkte die für mich aus dieser Folge als Takeaways hängenblieben mal kurz zusammengefasst.

00:39:57: Erstens – nicht alle Klienten brauchen dasselbe!

00:40:00: Die Bedarfslagen sind sehr unterschiedlich von einzelnen entlastenden Gesprächen bis hin zu langfristiger Psychotherapie oder sogar psychiatrischer Unterbringung.

00:40:08: Genau deshalb braucht es flexible und passgenauer Unterstützung.

00:40:11: Zweitens Beratung und Therapie verfolgen unterschiedliche Aufträge, und genau darin liegt die Stärke.

00:40:17: Die Beratungsstelle von Grüner VogelEV arbeitet stark im System also mit Angehörigen Behörden, Bewährungshilfe Jugendamt und weiteren Beteiligten.

00:40:25: Die therapeutische Arbeit fokussiert sich stärker auf die Person selbst Also ihre psychische Stabilität, ihre Biografie Und wie überhaupt ein therapeutischer Prozess möglich werden kann.

00:40:35: Drittens Gute Zusammenarbeit braucht klare Absprachen und Vertrauen.

00:40:39: Gerade weil unterschiedliche Professionen zusammenarbeiten, müssen Zuständigkeiten schweige Pflicht und Form des Austauschs sauber geklärt sein.

00:40:47: Das ist keine Nebensache sondern eigentlich die Grundlage dafür das Unterstützung wirklich trägt.

00:40:52: Viertens Die Regelversorgung ist oft nicht genug und nicht genug auf die Klienten vorbereitet.

00:40:57: Ein widerkehrendes Thema war die Schwierigkeit Menschen in reguläre therapeutische Angebote weiter zu vermitteln.

00:41:03: Es fehlen oft passende Plätze, Erfahrungen und Umgang mit radikalisierten Klientinnen.

00:41:08: Und manchmal auch die Offenheit auf Seiten des Versorgungssystems.

00:41:12: Fünftens, interdisziplinäre Arbeit ist aufwendig aber unverzichtbar.

00:41:16: Sie braucht Kommunikation Flexibilität und die Bereitschaft die Grenzen der eigenen Profession zu erkennen.

00:41:22: Aber genau darin liegt die Chance Menschen in hoch komplexen Situationen besser begleiten zu können und Sicherheit und Stabilität zusammenzudenken.

00:41:31: Und damit endet diese Folge.

00:41:33: Danke, dass ihr auch wieder zugehört habt!

00:41:35: In der nächsten Folge hört ihr von Kerstin Siska und dort werden wir näher auf die psychotherapeutische Dimension eingehen.

00:41:42: Präventionsgezwitscher gibt es überall dort wo es Podcast gibt.

00:41:44: wenn euch diese Folge interessiert hat gehört gerne noch in die anderen Episoden und Staffeln rein.

00:41:49: Bis zum nächsten Mal machts gut und bis bald.