00:00:18: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Präventionsgezwitscher, dem Podcast von Grüner Vogel
00:00:23: e.V.,
00:00:23: schön dass ihr dabei seid!
00:00:25: Ich bin Fabian Wichmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Beratungsstelle Leben und begleite euch auch durch diese Folge.
00:00:32: In der ersten Folge dieser Staffel hat Claudia Danschke zum Auftakt des Fachtags den thematischen Rahmen gesetzt.
00:00:37: Dabei wurde schnell deutlich in der Deradikalisierungsarbeit stoßen wir immer wieder auf Fälle, in denen Beratung nicht alleine ausreicht.
00:00:45: bei psychischen Belastungen, Auffälligkeiten oder Erkrankung mit hineinspielen.
00:00:49: In dieser Folge hören wir ein großwortvoller Masr-Komarik vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erordert das Thema aus der Sicht des Kompetenzzentrums des Bundes für Islamismusprävention und Teradikalisierung ein und macht deutlich warum die Frage nach dem Zusammenspiel von Beratung, Therapie und Versorgung längst kein Randtehen mehr ist sondern ein zentrales Handlungsheld für Praxis, Behörden und Wissenschaft.
00:01:11: Dabei geht es nicht nur um die konkrete Fallarbeit und bestehende Versorgungslücken, sondern auch um eine wichtige fachliche und gesellschaftliche Differenzierung.
00:01:19: Radikalisierung ist nicht einfach mit psychischen Auffälligkeiten gleichzusetzt.
00:01:23: Gerade deshalb braucht es einen genauen Blick multiprofessionelle Zusammenarbeit und Strukturen, die tragfähig sind.
00:01:30: Moderiert wurde dieser Fachtag wieder von Axel Schubum Und damit starten wir die zweite Folge.
00:01:35: Viel Spaß beim Zuhören!
00:01:42: Ja, vielen herzlichen Dank für die sehr freundliche Vorstellung.
00:01:44: ganz genau zum vierten Mal bin ich jetzt dabei.
00:01:46: Es ist aber nur das dritte Grußwort weil ich glaube die erste Veranstaltung hatte ich mit ihr gemeinsam moderiert und Florian Endes eine Referatzeit der sie alle herzlich grüßen lässt hat damals glaube ich bei den allerersten Veranstaltungen das Gruß Wort gehalten.
00:01:57: Aber nicht so trotz mittlerweile jetzt schon zum dritten mal.
00:02:00: Ich möchte Sie alle recht herzlich hier zur Fachthaarung des Grünen Vogels begrüßen im Namen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Dieses Jahr umso mehr, weil wir direkt mehr Jubilänen feiern dürfen.
00:02:12: Du hattest schon eines genannt.
00:02:13: Fünf Jahre bestehen des Grünen Vogels als Verein.
00:02:17: Wir befinden uns im fünften Jahr der Förderung des Teams um Claudia Danschke und genau diesen Punkt möchte ich jetzt auch noch mal nutzen, meinen recht herzlichen Dank auszusprechen an dich und dein Team für die beständige lange und konstruktive Zusammenarbeit sicherlich auch im Namen des BMI.
00:02:35: Vielen herzliche Dank, Claudia!
00:02:42: Mein Dank gilt natürlich auch an dieser Stelle.
00:02:43: Du hast es bereits umfassend benannt, an den tollen Kooperationspartnern dieses Fachtages – das Team Umnexus und Kerstin Sischka und Bios Baden-Württemberg.
00:02:54: Ich glaube, dass ist ein großer Gewinn für diese Fachtagung und zeigt auch sehr schön wie die Projekte, die bei uns im Fördeportfolio sind hier sehr sinnvoll und wirklich gut ineinandergreifen!
00:03:05: Wie auch schon bei den vergangenen Fachtagen muss ich festhalten, dass Glaudia in dem Team einfach ein sehr tolles fachliches Gespür für die Wahl der Themen mal wieder unter Beweis gestellt hat.
00:03:14: Denn der Nexus zwischen Radikalisierungsprozessen und psychischer Gesundheit ist ein hochrelevantes Handlungsfeld, das uns alle schon seit langer Zeit beschäftigt – in den Behörden, Präventionspraxis aber auch in der Wissenschaft!
00:03:26: Und mit Blick auf die Tagesordnung kann ich auf jeden Fall versprechen, dass einige dieser Stimmen und Perspektiven im Laufe des heutigen Tages zu Wort kommen werden.
00:03:35: Auch wir im Kompetenzzentrum des Bundes für Islamismusprävention und der Radikalisierung, den stellvertretender Leiter Ich bin stehen wir mit diesem Thema gleich auf mehreren Arbeitsebenen in Verbindungen.
00:03:45: Als Beratungsstelle Radikalisierung sind wir unserer Funktion als erster Anlaufstelle oftmals mit einem großen Maß an Verunsicherung der ratzenden Personen konfrontiert.
00:03:53: Das Thema psychische Gesundheit tritt hier in vierschichtigen Spektren immer wieder zu Tage.
00:03:59: um das ein bisschen zu illustrieren würde ich mal etwas älteren Sachverhalt von uns, von der Hotline kurz veranstellen Das Ganze ein bisschen zu illustrieren.
00:04:08: Es ist ein sehr, sehr knappes Beispiel das natürlich die Komplexität nicht im Ansatz darstellen kann aber glaube ich ganz gut aufzeigt mit welchen Ratsungen und mit welchem Themen wir in der Vergangenheit da ja bisweilen konfrontiert sind.
00:04:21: Ein Psychiater sorgt sich um seinen Patienten.
00:04:23: Erleitung unter einer Psychose.
00:04:24: Der Fahrt des Patienten hält ihn für radikal weil er seiner Mutter und seiner Schwester Befehle einen Kopf trugzutragen Da diese sonst die Hölle kämen Um das Höllenfeuer abschreckend zu illustrieren, steckte er seinen Kopf in der ausgescheiteten Ofen.
00:04:35: Der Patient sei Proofiboxel gewesen und der Vergangenheit extrem gewalttätig in Erscheinung getreten.
00:04:41: In nur wenigen Fällen erfahren wir tatsächlich im Rahmen eines Erstgesprächs vom Vorliegen einer Diagnose zu psychischen Erkrankungen aber es gibt oft Anzeichen die eine psychische Belastung einer mutmaßlich radikalisierenden Person oder der Ratsuchenden Person selbst nahelegen.
00:04:54: Auch Fachkräfte aus dem psychologischen Heilberufen, wie im Beispiel eben gezeigt, kam vermehrt an die Heldlein und das ist auch ein Trend der bis heute anhält.
00:05:03: Weil sie religiöse Praktiken oder Äußerungen nicht genau einschätzen können zum Beispiel.
00:05:08: Die Beratungsfachkräfte bei uns an der Beratungskottlein müssen zu deinem Versuchen im Gespräch einzuschätzen ob tatsächlich eine Radikalisierung vorliegt und-oder eine Psychobilastung besteht, die weitergehend adressiert werden sollte.
00:05:19: Und schließlich steht die Frage im Raum welche Bedarfe bestehen konkret?
00:05:23: Wohin verweise ich zunehmend schließende Kolleginnen und Kollegen?
00:05:27: dann auf Beratungs- und Versorgungslücken.
00:05:29: Aus diesem Grund, dass es die zweite große Säule mit dem wir mit dem Thema in Verbindung stehen fördern und förderten wir an dieser Schnittstelle zwischen der Islamismusprävention und eben diesen Thema psychische Gesundheit seit spätestens zwanzig zweiundzwanzig ja gleich mehrere Maßnahmen, die auf unterschiedlichen Ebenen das Thema adressiert mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Adressaten.
00:05:50: Da haben wir zum einen die Heilberufsgruppen, die mit dem Projekt Aktivierung von Angehörigen von Heilberufen für das Thema Extremismusprävention durch Qualifizierung und Vernetzung in den Blick genommen haben.
00:06:00: Frau Raun ich sehe sie auch!
00:06:02: Ich freue mich ja auch in diesen ganzen Themenspektrum, die der Projektverantwortlichen hier im Publikum heute begrüßen zu dürfen.
00:06:10: Seins der Universität Ulmen – ein Projekt, das wirklich ganz hervorragende Ergebnisse erzieht erzielen konnte und eine sehr, sehr große und breite Zielgruppenerreichung hatte was nicht zuletzt auch TRRAU und ihrem Team an der Universitätsklinikum Ulm zu verdanken war.
00:06:26: Daneben haben wir auch Beratungsfachkräfte in den Blick genommen bei denen wir ein psychologisches Basis vermitteln wollten mit dem Projekt Evoluo Psychologische Fachkenntnis und Coaching für Beraterinnen in dem Fall die Radikalisierung, dass das Weilens Prevention Network gemeinsam mit IFAC umgesetzt hat.
00:06:44: Und jetzt in diesem Jahr auch mit einem anderen Schwerpunkt die Schnittstelle Jugend nochmal anders in den Blick nimmt.
00:06:49: Und natürlich das Projekt um Kerstin Sischka, um den Beratungsstellen ein bedarfsorientiertes Angebot an konkreten psychotherapeutischen psychiatrischen Fallhilfen zur Verfügung zu stellen.
00:06:59: In diesem Sinne fördern wir jetzt auch schon seit einigen Jahren das Projekt NEXOS-Beratungsnetzwerk Bund Psychotherapeutsche und Psychiatrische Fallhilfe für die Extremismusprävention der Radikalisierung umgesetzt von der Berliner Charität.
00:07:11: Es freut mich wirklich sehr sie alle hier begrüßen zu dürfen.
00:07:14: Lassen Sie mich kurz nochmal dem Blick auf das Teamfeld ein bisschen weiter.
00:07:17: Die Arbeit in der Islamismusprävention und die Radikalisierung ist in den vergangenen Jahren deutlich komplexer geworden, auch weil die bedingten individuellen sozial- und gesellschaftlichen Faktoren immer enger und versettenreicher miteinander groben zu sein scheinen.
00:07:30: Weltpolitische Krisen und Konflikte, die Allgegenwertigkeit des Internets oder der sozialen Medien stark polarisierende öffentliche Diskurse.
00:07:37: Gerade deshalb sind die Schnittstellen zwischen Beratung und Therapie von so zentraler Bedeutung.
00:07:42: Denn während die Beratungsarbeit häufig auf Distanzierung, Stabilisierung und soziale Einbettung zieht, liegt die Diagnose- und Behandlung psychischer Erkrankungen im Verantwortungsbereich therapeutischer Professionen.
00:07:52: Beide Perspektiven sind notwendig – sie ergänzen sich!
00:07:56: Wir können daher nicht oft genug feststellen eine gelingende Radikalisierung und Distanzierungsarbeit braucht diese multiprofessionellen Zusammenarbeit.
00:08:03: Gleichzeitig erleben wir in der öffentlichen Debatte eine gewisse Verkürzung.
00:08:07: Insbesondere in der medialen Berichterstattung wird Höfe häufig ein enger Zusammenhang zwischen Radikalisierung und Psychenerkrankungen hergestellt.
00:08:14: Einzelne medialaufbereitende Fälle, etwa solche von sogenannten Einzeltätern, prägen das Bild- und verstärken den Eindruck, Radikalisierung sei vor allem Ausdruck individueller Pathologie.
00:08:24: Doch dieser Eindruck greift zu kurz.
00:08:26: Fachlich betrachte lässt sich einen solchen Zusammenhang nämlich nicht in dieser Eindeutigkeit bestätigen.
00:08:31: Forschungsergebnisse zeigen vielmehr, dass psychische Erkrankungen und Radikalisierungsprozesse nicht erklären können.
00:08:36: Und keine klaren eindeutigen Zusammenhänge zwischen bestimmten Störungsbildern und einer Radikalisierung bestehen.
00:08:41: Das bedeutet aber nicht, das es keine Berührungspunkte gibt!
00:08:44: Wir müssen uns aber bewusst sein, dass es sich nicht um ein Automatismus handelt.
00:08:48: Radikalisation ist kein Symptompsychärkrankung und Psychoerkrankung ist keine hinreichende Erklärung für Radikaliserung.
00:08:54: Diese Differenzierung ist nicht nur eine wissenschaftliche Frage – sie ist auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung Denn eine vorschnelle Gleichsetzung von Radikalisierung und Psychoerkrankungen trägt zur Stigmatisierung bei, um zu einem mehrvereinen Sicht.
00:09:06: Sie verstärkt Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen und sie verstellt im Blick auf die tatsächlichen Dynamiken von Radikalisierungsprozessen.
00:09:14: Als Fachkräften in diesem Feld kommt uns allen gemeinsam daher eine ganz besondere Rolle zu.
00:09:19: Wir müssen immer wieder deutlich machen dass Radikalisierung ein sozialer Prozess ist eingebettet in Beziehungen Biografien und gesellschaftliche Kontexte und dass unsere Antworten darauf entsprechend vielschichtig sein müssen.
00:09:30: Eine klare und zugleich sensible Abgrenzung der Rollen, der Islamismusprävention oder der Psychotherapie ist dabei ein zentraler Baustein.
00:09:38: Also stellen wir uns die Fragen – wann ist Beratung gefragt?
00:09:41: Wann Therapie?
00:09:42: Und wie können die beiden Bereiche so zusammenwirken, dass sie sich gegenseitig stärken?
00:09:45: Der heutige Fachtag und bietet die Gelegenheit, genau diese Fragen gemeinsam zu reflektieren.
00:09:49: Es geht darum, Schnittständigen zu beschreiben, sondern aktiv zu gestalten – Kooperationen zu entwickeln, Verständigungsprozesse zu fördern und Gemeinderhandlungslogik zu erarbeiten.
00:09:58: Dabei wird es auch darum gehen, Unsicherheiten auszuhalten.
00:10:00: So müssen wir den gesetzlichen und berufsethischen definierten Schutzrahmen und damit die Beziehung zwischen Heilberufen und dem Patientinnen und Patienten zu jedem Zeitpunkt waren.
00:10:09: Der Wille der Patientin und Patienten muss stets der Maßstab von ob und wie eine solche Zusammenwirkung
00:10:14: sein.".
00:10:15: Lassen Sie mich zum Abschluss noch einmal ganz kurz auf den Ausgangspunkt zurückkommen, die öffentliche Wahrnehmung.
00:10:20: Eine differenzierte sachliche Debatte über Radikalisierung und psychische Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit.
00:10:26: Sie entsteht nicht von allein!
00:10:28: Sie braucht Stimmen, die einordnen, erklären – und wo nötig auch widersprechen wenn einfache Erklärungen eben zu kurz greifen.
00:10:34: Ich bin überzeugt sie alle tragen mit ihrer Arbeit genau dazu bei.
00:10:37: durch ihre fachliche Expertise, ihre praktische Erfahrungen und die Engagement In diesem Blende wünsche ich uns allen einen erkenntnisreichen Fachtag, spannendes Diskussion und neue Impulse für die gemeinsame Arbeit.
00:10:47: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
00:11:10: Das war sie die zweite Folge unserer neuen Staffel mit Marcel Komarik vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
00:11:15: Was aus dieser Folge besonders hängen bleibt, die Schnittstelle zwischen Radikalisierungsprävention und psychischer Gesundheit ist kein Nebenjobplatz sondern längst Teil der alltäglichen Praxis.
00:11:25: Gerade in den Erstgesprächen im Beratungsverläufen und bei komplexen Fallkonstellationen zeigt sich immer wieder das Fachkräfte einschätzen müssen worum es hier eigentlich gerade geht um Radikalisierung, um psychische Belastung oder um beides zugleich und vor allem darum welche Unterstützung jetzt wirklich gebraucht wird.
00:11:42: Gleichzeitig war die Folge auch ein wichtiges Plädoyer für Differenzierung, denn so naheliegend die Verbindung in manchen Fällen erscheint.
00:11:48: Radikalisierung ist nicht einfach Ausdruck psychischer Erkrankung und psychische Erkrankung erklärt auch Nichtradikalisierung automatisch.
00:11:55: Wer davor schnell gleich setzt greift fachlich zu kurz und riskiert darüber hinaus zusätzliche Stigmatisierungen.
00:12:03: Damit ist diese Folge zu Ende.
00:12:05: Danke, dass ihr zugehört habt.
00:12:06: Präventionsgezwitscher, den Podcast von BrunoFogelTV gibt es überall dort wo ihr Podcast hört.
00:12:13: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann hört auch gerne in die anderen Episoden dieser Staffel rein.
00:12:17: Bis zur nächsten Folge.
00:12:19: machts gut und bis bald.